Positionierung war meine grösste Baustelle

Ich habe mich jahrelang nicht positioniert, weil ich Angst hatte, mich damit einzuschränken. Heute habe ich eine klarere Positionierung als je zuvor und fühle mich beruflich freier als damals, als ich theoretisch alles machen konnte. Wie kann das sein? Das erzähle ich in diesem Blogbeitrag. 

Inhalt

Bei mir konnte man fast alles buchen

Ich komme aus Marketing und Kommunikation und habe mich 2018 ursprünglich als Texterin selbstständig gemacht.

Abgesehen davon, dass «Texterin» allein keine Positionierung ist, habe ich den Begriff auch ziemlich grosszügig ausgelegt.

Ich habe zum Beispiel:

  • Blogbeiträge für die unterschiedlichsten Unternehmen geschrieben 
  • Journalistische Fachbeiträge geschrieben
  • Texte für ein Weiterbildungsprogramm einer grossen Schweizer Bank geschrieben
  • Websites für Coaches, NGOs und Therapeutinnen getextet
  • Alle möglichen Texte lektoriert
  • Newsletter getextet
  • Flyer getextet und teilweise auch gestaltet
  • kleinere Unternehmen und Selbstständige im Marketing bei der Strategie und Umsetzung unterstützt
  • Websites für Therapeutinnen und Therapeuten erstellt

Und eigentlich mochte ich genau das. Ich habe viele Interessen. Ich lerne gerne Neues. Ich finde es spannend, mich immer wieder in andere Themen einzuarbeiten.

Deshalb fühlte sich diese Vielfalt lange nicht wie ein Problem an. 

 

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade von Diana Fux: «Vielseitig selbständig: Wie passen deine vielen Themen unter ein Dach?» Danke für die tolle Frage, Diana! 

Ich verhedderte mich meist in irgendwelchen Erklärungen, ohne dass der Wert meiner Arbeit bei meinem Gegenüber ankam.

Mit der Zeit lief meine Selbstständigkeit allerdings mehr nebenher. 

Ich arbeitete immer stärker in längerfristigen Marketingprojekten für verschiedene kleine Unternehmen.

Gleichzeitig machte ich kaum noch Marketing oder Akquise für meine eigenen Angebote, sondern nahm vor allem die Aufträge an, die halt so reinkamen. 

Eine Berufsbezeichnung ist keine Positionierung

Als ich meine eigene Selbstständigkeit wieder stärker ausbauen wollte, wurde mir klar: So wie bisher möchte ich nicht weitermachen. 

Das merkte ich vor allem dann, wenn mich jemand fragte, was ich eigentlich mache.

Dann konnte ich zwar antworten: «Ich arbeite im Marketing.» Oder: «Ich bin Texterin.»

Aber was sagt das schon aus? Für wen schreibe oder arbeite ich? Welches Problem löse ich? Warum sollte jemand ausgerechnet zu mir kommen? 

Ich verhedderte mich meist in irgendwelchen Erklärungen und hatte am Ende doch nicht das Gefühl, dass der Wert meiner Arbeit bei meinem Gegenüber angekommen war.

«Texterin» und «Marketing» ist halt keine Positionierung, sondern eine Berufsbezeichnung. Und selbst unter dieser Berufsbezeichnung können sich die meisten Menschen nicht besonders viel vorstellen. 

Ausserdem ging es mir irgendwann auf die Nerven, ständig gefragt zu werden, ob es denn überhaupt noch Texte gebe, die nicht von der KI geschrieben werden können.

Gleichzeitig zeigt auch diese Frage ziemlich schön auf, wie wenig meine bisherige Beschreibung darüber aussagte, welchen Wert ich mit meiner Arbeit eigentlich schaffe. 

Ich zweifelte an allem

Damit begann meine eigentliche Positionierungsgeschichte.

Und je mehr ich mich mit meiner eigenen Positionierung beschäftigte, desto klarer wurde mir, wie schwer sie mir fiel.

Ich wollte einen klareren Fokus. Gleichzeitig wollte ich auf nichts verzichten.

Ich bin jemand mit vielen Interessen. Entsprechend schnell fühlte sich jede Entscheidung an wie eine Liste all der Dinge, die ich danach nicht mehr machen «darf». 

Dazu kam ein noch viel grösseres Problem: Ich wusste irgendwann gar nicht mehr, was ich überhaupt wollte. 

Es ging nämlich längst nicht mehr nur um die Frage: «Wie positioniere ich mein Business?» Sondern um: «Was möchte ich eigentlich überhaupt machen in meinem Leben?»

Ich zweifelte an meinen Angeboten. An meinen Fähigkeiten. Daran, ob das, was ich kann, in Zukunft überhaupt noch gebraucht wird.

Teilweise auch daran, ob ich überhaupt irgendetwas gut genug kann, um es anzubieten.

Die Möglichkeiten wurden dadurch aber nicht kleiner, sondern immer grösser.

Ich beschäftigte mich ernsthaft mit einer Ausbildung zur Atemtherapeutin und hatte bereits eine Zusage für einen Ausbildungsplatz.

Und irgendwann schaute ich mir sogar wieder Stellen als Köchin an. Das ist mein ursprünglich gelernter Beruf. 

Nicht, dass ich wirklich wieder als Köchin arbeiten wollte – aber ich rollte halt gedanklich wirklich alles noch einmal auf.

Im Nachhinein erscheint mir meine Blockade logisch. Ich versuchte, mich innerhalb eines Rahmens zu positionieren, den ich noch gar nicht hatte. Wenn alles möglich ist, muss man sich schliesslich nicht zwischen zehn Möglichkeiten entscheiden. Sondern zwischen hunderten. Und Menschen sind ja bekanntlich bereits überfordert, wenn sie sich zwischen mehr als sieben Marmeladensorten entscheiden sollen. 

Ich versuchte mehrfach, mit Unterstützung von aussen Klarheit zu bekommen. Funktionierte leider nicht – zumindest nicht zu dem Zeitpunkt. 

Ich hatte einfach einen enormen Widerstand dagegen, mich festzulegen. Jede Entscheidung fühlte sich an, als würde ich alle anderen Türen zuschlagen.

Ich will etwas Eigenes aufbauen. Und in diesem Moment war mir fast egal, was das genau sein würde. 

Erstmal alles auf Eis gelegt

Eines Nachts, als ich mich wieder schlaflos im Bett herumwälzte, wurde mir klar: Wenn ich selbst mit Profi-Unterstützung nicht weiterkomme, dann geht es vielleicht gerade einfach nicht. Und dann kann ich es auch nicht mit noch mehr Druck erzwingen. 

Also habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich lege das Thema jetzt für ein halbes Jahr auf Eis. Keine neuen Angebote bauen. Keine Positionierungsübungen. Nicht weiter versuchen, mit aller Kraft zu einer Lösung zu kommen.

Das war nicht leicht. Denn natürlich hatte ich Angst, Zeit zu verlieren. Potenzielle Kundinnen zu verlieren. Geld zu verlieren. Unklar zu bleiben. Mein Business komplett aufgeben zu müssen.

Aber: Kaum hatte ich diese Entscheidung getroffen, konnte ich nachts endlich wieder schlafen. 

Ein Schubser von aussen

Ich konzentrierte mich also weiter auf mein bisheriges Modell: Ich machte das Marketing für verschiedene Auftrag- und Arbeitgeber. Und da nahm ich die Aufträge an, die sonst so reinkamen. 

Das gefällt mir übrigens noch immer sehr gut. Es hat viel von dem, was Freelancing attraktiv macht: Abwechslung, Freiheit, Verantwortung. Und ich kann bei verschiedenen grossartigen Unternehmen mitdenken, aufbauen, mitgestalten.

Und dann, ziemlich genau 5 Monate nach meiner Entscheidung, meine Positionierungs-Baustelle auf Eis zu legen, wurde eines meiner grösseren Mandate halbiert. 

Das war weder eine Katastrophe noch ein grosses Drama. Das Gespräch war wertschätzend. «Wir hoffen sehr, dass du trotzdem noch für uns arbeiten willst.» (Ja, natürlich will ich. Ich arbeite echt gern mit ihnen!)

Aber es hat mir etwas vor Augen geführt, das ich vorher wunderbar ignorieren konnte: wie abhängig ich inzwischen von diesen einzelnen Projekten geworden war.

Diesem letzten Stupser war schon viel Denkarbeit vorausgegangen. Deshalb reichte er, damit ich jetzt in aller Deutlichkeit merkte:

Ich will etwas Eigenes aufbauen.

Etwas, das nicht so stark daran hängt, wie sich einzelne Aufträge entwickeln. Etwas, das unternehmerischer ist als das, was ich bis dahin gemacht habe.

Interessanterweise war mir in diesem Moment fast egal, was das genau sein würde. 

Zwei Tage nachdem ich meine neue Positionierung auf LinkedIn veröffentlicht hatte, kam bereits die erste Kundenanfrage rein.

Ein Experiment hat alles verändert

Und das war gut so. Denn statt wieder monatelang nach der perfekten Positionierung zu suchen, machte ich etwas anderes.

Ich erklärte das Ganze zum Experiment.

Sinngemäss sagte ich mir: «Jetzt nimmst du einfach irgendwas. Etwas, das naheliegt, das du gut kannst und aus dem du ein vernünftiges Angebot bauen kannst. Und dann probierst du es aus.»

Es ging nicht darum, dass ich mich für den Rest meines Lebens auf irgendwas festlegte – nicht einmal für das nächste Jahr. Es ging mir in diesem Moment nur darum, einmal auszuprobieren, wie es sich anfühlt, überhaupt positioniert zu sein.

Zum ersten Mal habe ich Positionierung WIRKLICH erlebt 

Also habe ich das getan, was mir lange so schwer fiel: Ich legte mich fest. Zumindest für den nächsten Schritt. 

Ich habe das getan, was man überall über Positionierung lernt: zugespitzt. Auf ein Angebot, eine Branche, einen Nutzen.

Ich kannte die Argumente für eine klare Positionierung natürlich auch schon vorher. Ich komme aus dem Marketing. Ich weiss, warum Fokus sinnvoll ist.

Aber ich hatte die Vorteile nie an meinem eigenen Business erlebt. Mit meinem Experiment änderte sich das. 

Und was dann passiert ist, war ziemlich krass.

Plötzlich hatte ich Ideen. Viele Ideen.

Ich sah auf einmal Themen für Posts, die auf genau MEINE Positionierung einzahlten. Ich sah Menschen auf LinkedIn und dachte sofort: Du würdest passen. Du eher nicht. 

Ich konnte meine Angebotsseite in einem Aufwisch texten, ohne bei jedem Satz an 50 Fragen hängenzubleiben.

Ich schrieb innert kürzester Zeit 40 LinkedIn-Posts runter.

Ich konnte Pakete schnüren. Und wie genial ist es eigentlich, wenn man endlich mal ein klares Paket anbieten kann, statt immer irgendwas zusammenzustückeln?!

Zwei Tage nachdem ich meine neue Positionierung auf LinkedIn veröffentlicht hatte, kam bereits die erste Kundenanfrage rein. Noch einen Tag später die zweite.

Aber vor allem konnte ich endlich, endlich in einem einzigen Satz erzählen, was mein Angebot ist. Und zwar so, dass es meine Bekannte, die mit dieser ganzen Welt nichts am Hut hat, nicht nur verstand, sondern interessiert nachfragte.

Ich hatte zum ersten Mal erlebt, wie mächtig eine Positionierung sein kann.

Wenn ich das mache, dann so, dass die Resultate am Ende auch wirklich meinem Anspruch entsprechen.

Trotzdem merkte ich ein paar Wochen und ein paar Erstgesprächen (die plötzlich wie von selbst kamen) später: Inhaltlich passt es noch nicht zu hundert Prozent. 

Also bin ich noch einmal einen Schritt zurückgegangen. Habe zurückgeschaut auf das, was meinen Kundinnen und Kunden in der Vergangenheit den meisten Nutzen gebracht hat. Und mir am meisten Freude.

Und da war das Muster plötzlich ziemlich deutlich.

Hatte ich meine Positionierung die ganze Zeit schon vor der Nase?

Ich erstelle seit über 10 Jahren Websites. Ich arbeite seit 15 Jahren im Marketing. Ich habe über 600 Stunden Weiterbildung in Psychologie, Coaching und Somatic Experiencing.

Ich habe in dieser Zeit viele richtig gute Coaches und Therapeut:innen kennengelernt, die online praktisch unsichtbar sind.

Ein Grund dafür, den ich immer wieder höre: Sie wollen nicht «verkaufen», nicht laut auftreten und schon gar niemanden mit irgendwelchen Tricks überzeugen.

Einen kleinen Schubser brauchte ich dann aber doch noch: Die Anfrage einer Therapeutin, ob ich ihre Website erstellen könne.

Ich war verblüfft darüber, wie sehr ich mich über diese Anfrage freute. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Könnte DAS das Angebot sein, das alles verbindet?

Mein Bauch sagte ja.

Gleichzeitig merkte ich auch: Wenn ich das mache, dann so, dass die Resultate am Ende auch wirklich meinem Anspruch gerecht werden.

Ich möchte nämlich keine durchdachte Website designen, auf der später Texte landen, die überhaupt nicht dazu passen. Und ich möchte keine Top-Website-Texte schreiben, die danach auf einer Website landen, die aussieht, als hätte sie jemand in 10 Minuten aus eine Baukasten zusammengestellt. Und genauso wenig bringt eine schöne Website mit guten Texten, die später niemand findet. 

Deshalb gibt es bei mir jetzt Website Rundum-Sorglos-Pakete für Coaches und Therapeut:innen, bei denen alles aus einer Hand kommt: Strategie, Text, Design, SEO und Umsetzung. Damit meine Kund:innen am Ende eine Website haben, die sie zeigt und mit der sie gefunden und gebucht werden.

Jetzt, wo ich mich entschieden habe, ist das Gegenteil von dem passiert, was ich befürchtet hatte.

Ich wusste jetzt, dass meine Positionierung passt. 

Doch ich wusste auch: Mein Konzept war solide, aber ich wollte nicht länger um mich selbst kreisen. Ich brauchte den Aussenblick von jemandem, der Erfahrung und ein feines Gespür hat. Und ich wollte natürlich auch wissen, ob das, was ich mir da zusammengereimt habe, wirklich Sinn macht. 

Deshalb habe ich mich wieder bei der Positionierungsexpertin gemeldet, der ich ein halbes Jahr zuvor abgesagt hatte:

«Hey, ich bin jetzt bereit. Können wir an meiner Positionierung arbeiten?»

Gemeinsam haben wir das, was ich erarbeitet hatte, noch einmal geschärft. Ausserdem hat sie mit mir zusammen mein Brand Design entwickelt, an dem ich vorher monatelang festgesteckt bin. 

Hä? Warum fühlt sich das plötzlich so frei an? 

Ich hab gedacht, mehr Fokus würde mich einengen – als müsste ich mich für einen einzigen kleinen Raum entscheiden und alles andere draussen lassen.

Bis ich mich dann ENDLICH festgelegt habe. 

Und jetzt, wo ich mich entschieden habe, ist das Gegenteil von dem passiert, was ich befürchtet hatte.

Ich entdecke gerade neu, wie vielseitig das Thema Websites eigentlich ist! Strategie, Design, Text, SEO, Blog – lauter eigene Fachgebiete, in die ich mich unendlich vertiefen könnte. Gleichzeitig kann ich hier auch vieles von meinem bisherigen Wissen und meinen Erfahrungen aus den Bereichen Kommunikation, Online-Marketing, Text und Webdesign einbringen. 

Mein Fokus fühlt sich überhaupt nicht an wie ein kleiner Raum. Eher wie ein riesiges Haus mit vielen Zimmern, die ich jetzt erst richtig erkunden kann. 

Paradoxerweise fühle ich mich also mit der neuen Positionierung freier als vorher. Damals hatte ich zwar gefühlt unendlich viele Möglichkeiten. Aber das hiess eben auch, dass ich nie so richtig wusste, worauf ich meine Energie nun eigentlich ausrichten soll. 

Jetzt habe ich einen Rahmen. Ich weiss endlich, auf welche Themen ich mich fokussiere. Und das sind viele, wie ich immer wieder mit Freude feststelle. 

Epilog

Es ist Donnerstagabend, 20 Uhr, während ich diese Zeilen schreibe. Ich bin kurz davor, mit meiner neuen Positionierung und meiner Website rauszugehen.

Ich freue mich darauf. Bin auch ein bisschen nervös.

Ob das jetzt meine Positionierung für immer ist? Vermutlich nicht. 

Aber im Moment fühlt sie sich richtig an. Das reicht. 

Bild von Über die Autorin

Über die Autorin

Janina Fischer entwickelt strategische Websites für Coaches, Beraterinnen und Therapeutinnen. Sie hat über 10 Jahre Erfahrung mit Webdesign und Wordpress sowie über 15 Jahre Erfahrung im Bereich Marketing und Kommunikation.